Zeitungsbericht über die GG vom 17.02.2004
«Man muss schon etwas angefressen sein» Vereinsporträt Die Gymnastikgruppe Bözen und deren Leiterin Alexandra Berner - eine Erfolgsgeschichte
Wie kommt es, dass immer wieder von herausragenden Leistungen der Gymnastikgruppe Bözen zu hören und zu lesen ist? Wer und was steckt dahinter?
peter belart
Begonnen hat alles im Geheimen», erinnert sich Alexandra Berner. «Unsere Eltern durften nichts davon wissen, weil wir damals noch viel zu jung waren, um eigenständig auftreten zu können. Trainiert haben wir ebenfalls, ohne dass unsere Eltern wussten, was da vor sich ging. Aber irgendwann erfuhren sie dann halt trotzdem, was wir in unserer Freizeit machten. Zum Glück zeigten sie Verständnis für unsere Aktivitäten und unterstützten uns darin.»
Vom Haltungsfehler zur Gymnastik
Bei Alexandra Berner war in ihrer frühen Kindheit ein Haltungsfehler festgestellt worden. Um diesen zu beheben, schickten die Eltern sie ins Ballett. «Aber dort gefiel es mir gar nicht.» So wechselte sie etwa im 8. Altersjahr in die Rhythmische Sportgymnastik, der sie rund 10 Jahre lang die Treue hielt. Daneben turnte sie noch, ermuntert von der Mutter, in der Mädchenriege Bözen mit. Das Zusammenwirken dieser beiden turnerischen Komponenten - Mädchenriege und Sportgymnastik - weckte den Wunsch, eine eigene Gymnastikgruppe ins Leben zu rufen. Zusammen mit einigen Freundinnen wurde das Projekt in die Tat umgesetzt: Ab 1997 trainierten die noch minderjährigen Mädchen in der Turnhalle Elfingen, also weit weg vom elterlichen «Geschütz». Die Elfinger Halle stellte man ihnen unentgeltlich zur Verfügung, und so nahm hier die Erfolgsgeschichte der Gymnastikgruppe Bözen ihren Anfang.
Heute setzt sich die Gruppe aus 14 Turnerinnen im Alter zwischen 1 6 und 23 Jahren zusammen. Die Werbung für neue Mitglieder passiert in der Regel in den Mädchenriegen. «Im Prinzip gibt es keine hoch gesteckten Voraussetzungen, die erfüllt sein müssten. Wenn jemand der Sache körperlich nicht gewachsen ist, dann wird dies für die Betreffende schnell selbst spürbar. Nur eines ist unabdingbar: genügend Zeit.» Die Gymnastikgruppe Bözen absolviert nämlich ein aufwändiges Training und nimmt jährlich an 8 bis 10 Wettkämpfen teil. Auf dem Programm stehen ausserdem noch etwa 4 bis 5 Showauftritte, durch die ein Teil der anfallenden Kosten gedeckt werden kann. «Man muss schon ein wenig angefressen sein», sagt Alexandra Berner, und sie lacht dazu. Neueintretende benötigen übrigens erfahrungsgemäss etwa anderthalb Jahre, bis sie auf dem Stand der übrigen Turnerinnen sind.
«Mir kommt schon etwas in den Sinn»
In regelmässigen Abständen hört man von den Erfolgen der Gymnastikgruppe Bözen: Im Juni 2003 ging sie als Siegerin der Stärkeklasse 2 aus dem Kreisturnfest Mülligen hervor, im vergangenen September hat sie an den Schweizer Vereinsmeisterschaften den ausgezeichneten 5. Rang belegt, und im darauffolgenden Dezember wurde sie Schweizer Jugendcup-Siegerin in der Kategorie bis 20-Jährige. Die jungen Frauen zeigten jeweils zwei Übungen, eine ohne und eine mit Handgeräten, diesmal zum Beispiel mit dem Ball.
Alexandra Berner erzählt, wie eine solche Übung zustande kommt: «Ich wähle irgendein Thema aus, das mich anspricht. Aktuell sind zum Beispiel die beiden Themen ´Evolution des Menschen´ und ´Geschichte der Indianer´. Nachdem ich mich inhaltlich damit befasst habe, mache ich mich auf die Suche nach passender Musik. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, denn die Musik muss uns turnerische Perspektiven eröffnen. Sie sollte also abwechslungsreich sein , mit langsameren und schnellen, mit rhythmischen und eher getragenen Passagen. Dann gehe ich in mein Zimmer und lasse mir die Sache durch den Kopf gehen. Irgendetwas kommt mir schon in den Sinn. Manchmal betrachte ich auch Video-Aufnahmen, die mich anregen.»
«Nun folgen die ersten groben Skizzen, die nach und nach konkretere Formen annehmen und immer mehr verfeinert werden. Es ist ein langer Prozess. Für eine einzige Minute einer Präsentation investiere ich mehrere Stunden an choreografischer Planungsarbeit. Aber die Faszination, etwas entstehen zu sehen, entschädigt reichlich für alle Mühen.»
Schliesslich beginnt die ganze Gymnastikgruppe mit den Proben. «Dies ist eine komplexe Angelegenheit. Es geht um einzelne Übungsteile, um Bewegungsabläufe, um die Umsetzung musikalischer Vorgaben. Dazu kommen schauspielerische Effekte, deren Wirksamkeit im Wettkampf und bei Showauftritten nicht zu unterschätzen ist. Und in allem muss Zug drin sein, eine Dynamik ohne Längen und o hne Bruchstellen.»
Woraus besteht der Reiz der Sache? Warum wendet Alexandra Berner so viel Zeit für «ihre» Gymnastikgruppe auf? - Die junge Frau strahlt, und doch zögert sie einen Moment mit der Antwort. Vielleicht wundert sie sich, dass etwas derart Selbstverständliches gefragt wird. Und dann, mit einem angedeuteten Schulterzucken: «Ich habe einfach Freude daran. Und die Kollegialität, ja die Freundschaft zwischen uns Turnerinnen ist wirklich einmalig.»